Wenn’s um Rückenschmerzen geht, dann haben viele von uns schon so einiges ausprobiert. Akupunktur – das klingt für viele nach einer geheimnisvollen Heilkunst aus China, die seit über 4000 Jahren praktiziert wird. Aber was steckt wirklich hinter den kleinen Nadeln, die gezielt in bestimmte Körperpunkte eingestochen werden? Die Methode soll ja die Selbstheilungskräfte aktivieren und hat eine ganze Reihe von festgelegten Punkten, über 360 an der Zahl, die dafür genutzt werden. Bei einer typischen Erstbehandlung nimmt sich der Therapeut Zeit für eine ausführliche Anamnese, Zungen- und Pulsdiagnose. Und dann? Dann kommt der spannende Teil: die Nadeln. Maximal zehn feine, sterile Einwegnadeln werden gesetzt und verbleiben für 20 bis 40 Minuten im Körper. Manchmal wird das Ganze mit Elektroakupunktur, Wärmelampen oder Lichttherapien ergänzt.

Die Behandlung selbst ist meist nicht schmerzhaft, auch wenn der ein oder andere vielleicht ein Kribbeln oder ein warmes Gefühl verspürt. Bei chronischen Beschwerden empfehlen sich wöchentliche Sitzungen, während bei akuten Problemen bis zu drei pro Woche möglich sind. Die WHO empfiehlt Akupunktur ausdrücklich bei Schmerzerkrankungen, was doch schon mal für sich spricht. Aber – und da kommt der Haken – die Ergebnisse variieren. Eine Auswertung von 20 Studien hat gezeigt, dass Akupunktur bei Rückenschmerzen bessere Ergebnisse als die Standardversorgung erzielt. Bei Schwangerschafts-bedingten Rückenschmerzen sieht es allerdings schon anders aus: Hier sind die Effekte nur moderat und die Bewegungstherapie hat die Nase vorn.

Akupunktur und ihre Wirksamkeit

Jetzt wird’s spannend: Wie wirksam ist Akupunktur wirklich? Die Realität ist, dass die Wirksamkeit von Akupunktur von vielen Faktoren abhängt, insbesondere von der Qualifikation des Therapeuten. Es gibt unterschiedliche Techniken, und die Punkte, an denen die Nadeln gesetzt werden, können variieren. Einige Studien zeigen, dass Akupunktur zwar kurzfristig Linderung bei Rückenschmerzen verschaffen kann, aber die Ergebnisse sind oft nicht wirklich aussagekräftig. In der qualitativ hochwertigsten Studie gab es keinen besseren Effekt als bei einer Scheinakupunktur. Es spricht also einiges dafür, dass der Placebo-Effekt hier eine Rolle spielt.

Die Leitlinie „Kreuzschmerz“ empfiehlt, diese Behandlung nur dann anzubieten, wenn andere Methoden nicht anschlagen. Akupunktur sollte idealerweise in Kombination mit aktivierenden Maßnahmen eingesetzt werden. Das heißt, Bewegung und Medikamente sollten immer zuerst in Betracht gezogen werden. Und auch wenn die gesetzlichen Krankenkassen die Kosten für Akupunktur bei chronischen Rückenschmerzen und Kniearthrose übernehmen, sind die Belege für die Wirksamkeit doch eher dünn.

Ein Blick über den Tellerrand

<pAkupunktur selbst ist ein Teil der traditionellen chinesischen Medizin (TCM) und zielt darauf ab, den Energiefluss im Körper zu regulieren. Diese Punkte, an denen die Nadeln gesetzt werden, liegen auf sogenannten Meridiane, die die verschiedenen Körperfunktionen steuern. Die Behandlung beginnt mit einem Anamnese-Gespräch, in dem der Therapeut ganz individuell auf die Beschwerden eingeht. Nach dem Setzen der Nadeln kann der Patient in der Regel entspannen und dann nach der Sitzung ganz normal seinen Alltag fortsetzen.

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Die Risiken sind relativ gering, solange erfahrene Therapeuten am Werk sind. Es können leichte Blutergüsse, Nachblutungen oder sogar vorübergehende Schmerzen auftreten. Besondere Vorsicht ist bei Menschen geboten, die gerinnungshemmende Medikamente nehmen oder an Diabetes mit Neuropathie leiden. Und nicht zu vergessen: Schwangere sollten ebenfalls aufpassen, wobei Akupunktur hier auch zur Entspannung und Linderung von Ängsten eingesetzt werden kann. Eine Studie aus Mannheim hat sogar gezeigt, dass Akupunktur die Geburtsdauer um etwa zwei Stunden reduzieren kann.

Die Diskussion über die Wirksamkeit von Akupunktur bleibt also lebhaft. Positive Ergebnisse gibt es, aber ebenso Studien, die den Placebo-Effekt vermuten. Die GERAC-Studie hat sogar herausgefunden, dass die genaue Platzierung der Nadeln bei bestimmten Schmerzen entscheidend sein kann. Wenn man darüber nachdenkt, ist das wirklich faszinierend! Auch wenn es keinen signifikanten Unterschied zwischen Akupunktur und Scheinbehandlungen gibt, bleibt die Akupunktur für viele eine Reserve-Maßnahme, die es wert ist, ausprobiert zu werden, besonders wenn andere Behandlungen nicht den gewünschten Erfolg bringen.