Nahrungsergänzungsmittel im Test: Was junge Konsumenten wirklich brauchen
Die Welt der Nahrungsergänzungsmittel ist ein bunter, chaotischer Ort. Man könnte fast sagen, sie ist ein Schlaraffenland für alle, die sich etwas Gutes tun wollen. Doch was ist wirklich dran an den bunten Kapseln, dem schaumigen Whey Protein oder den schillernden Vitaminen? Ein Blick in die Zahlen zeigt: Knapp zwei Drittel der 14- bis 25-Jährigen in Österreich greifen regelmäßig zu Supplements. Das ist schon eine Hausnummer! Laut einer Umfrage der Arbeiterkammer Wien, die zwar nicht repräsentativ ist, aber valide Ableitungen erlaubt, konsumieren 65% der Befragten in den letzten drei Monaten Nahrungsergänzungsmittel. Da kann man sich fragen, was die jungen Leute dabei genau im Hinterkopf haben.
Besonders gefragt sind Vitamine und Mineralstoffe sowie Whey Protein. Die Ernährungswissenschaftlerin Petra Lehner von der AK bringt es auf den Punkt: „Ohne Befund gar nichts.“ Ihre Aussage hat Gewicht, denn sie fordert eine klare Regelung und Kontrolle für diese Produkte. Es wird viel Geld für möglicherweise überflüssige Produkte ausgegeben – eine Tatsache, die auch Gabriele Zgubic von der AK Wien Konsumentenpolitik anspricht. Ein bisschen mehr Kontrolle könnte hier nicht schaden, denn oft wissen die jungen Konsumenten gar nicht, wofür sie ihr Geld ausgeben.
Nahrungsergänzungsmittel: Was steckt dahinter?
Nahrungsergänzungsmittel sind Lebensmittel, die dazu dienen, die normale Ernährung zu ergänzen. Sie enthalten Konzentrate von Nährstoffen oder anderen Stoffen, die spezifische oder physiologische Wirkungen haben. Man findet sie in vielen Darreichungsformen, sei es als Kapseln, Tabletten oder sogar in flüssiger Form. In Österreich gibt es bislang keine Meldepflicht für diese Produkte, was die Sache noch kniffliger macht. Die EU-Richtlinie 2002/46/EG wurde zwar in nationales Recht umgesetzt, doch wie gut wird das kontrolliert? Das bleibt oft ein Rätsel.
Interessant ist auch, dass die Hauptinformationsquelle für die jungen Leute digitale Medien sind. Fitfluencer und Healthfluencer geben den Ton an, auch wenn viele von diesen Informationen nicht gesichert sind. Neun von zehn jungen Menschen vertrauen auf diese Quellen. Das ist schon ein bisschen alarmierend, oder? Gerade in einer Zeit, in der man so viel über gesunde Ernährung und Lebensweise lernt.
Die Regulierung im Dschungel der Supplements
Die Gesundheitsbehörden haben einige Regeln aufgestellt, um die Sicherheit der Verbraucher zu gewährleisten. So müssen gesundheitsbezogene Angaben wissenschaftlich belegt und durch die Health-Claims-Verordnung genehmigt werden. Aktuell sind rund 250 Health Claims im EU-Register verzeichnet. Das klingt alles ganz gut, aber wie viele Hersteller halten sich wirklich an diese Vorschriften? Die europäische Lebensmittelbehörde (EFSA) hat die Aufgabe, diese Claims zu prüfen, doch es gibt immer wieder Beanstandungen. Die AGES hat schon häufig unzureichende Kennzeichnungen festgestellt. Hier besteht also Handlungsbedarf.
Es gibt eine Vielzahl von Supplements, die in der jungen Zielgruppe beliebt sind. 46% konsumieren Whey Protein und Vitamine oder Mineralstoffe, 43% greifen zu Omega-3-Fettsäuren. Aber wie sinnvoll sind diese Produkte wirklich? Die AK weist darauf hin, dass Vitamine in bestimmten Lebensphasen, wie bei Jugendlichen, Schwangeren oder Stillenden, durchaus sinnvoll sein können. Bei anderen Produkten, wie Proteinpulver oder Kreatin, sieht die Evidenz hingegen weniger klar aus. Eine Empfehlung für die allgemeine Bevölkerung gibt es nicht – erst ab einem Trainingspensum von mindestens fünf Stunden pro Woche seien Supplements im Sport sinnvoll.
Die Frage bleibt also: Was ist nun der richtige Weg im Dschungel der Nahrungsergänzungsmittel? Vielleicht ein bisschen mehr Bewusstsein für die eigenen Bedürfnisse und vor allem der Hinweis: Konsultieren Sie einen Experten, bevor Sie einfach drauflos konsumieren. Denn am Ende des Tages ist es doch so: Gesundheit ist kein Zufall, sondern das Ergebnis informierter Entscheidungen.
