Nahrungsergänzungsmittel für Kinder: Überflüssig oder notwendig?
Es gibt wohl kaum ein Thema, das Eltern so sehr beschäftigt wie die Gesundheit ihrer Kinder. Und wenn es um die Ernährung geht, wird oft schnell auf Nahrungsergänzungsmittel zurückgegriffen. Dabei zeigt sich, dass viele Kinder nicht gerade die größten Fans von Gemüse und Obst sind. Das ist kein Geheimnis. In Deutschland greifen laut der DONALD-Studie jedes zehnte Kind und laut der EsKiMo-Studie rund jedes zwölfte Kind im Alter von 6 bis 11 Jahren zu Nahrungsergänzungsmitteln. Bei Jugendlichen zwischen 12 und 17 Jahren sind es sogar rund 20 Prozent. Das klingt erstmal erschreckend, aber wie nötig ist das wirklich?
Die Stiftung Warentest hat sich diesem Thema angenommen und festgestellt, dass viele der angebotenen Produkte für Kinder überflüssig sind. In einer Untersuchung von 2025 wurden 18 Nahrungsergänzungsmittel getestet, und das Ergebnis war mehr als ernüchternd: Alle Produkte wurden als überflüssig eingestuft, 17 wiesen Mängel auf, und fünf wurden sogar als problematisch eingestuft. Zu hohe Dosierungen, schädliche Inhaltsstoffe und unzulässige Werbung sind nur einige der Mängel, die aufgedeckt wurden. Besonders gefährlich sind die bunten Verpackungen, die Kinder ansprechen – man denke nur an die Vitamingummibärchen, die oft hohe Zuckermengen enthalten. Über 50 Gramm Zucker pro 100 Gramm? Das ist schon ein starkes Stück!
Nahrungsergänzungsmittel: Brauchen wir die wirklich?
Die Antwort ist klar: In der Regel sind Nahrungsergänzungsmittel für gesunde Kinder nicht nötig. Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) empfiehlt, dass Eltern bei gesunden Kindern, die sich abwechslungsreich ernähren, auf diese Mittel verzichten sollten. Es ist wichtig zu wissen, dass Nahrungsergänzungsmittel rechtlich als Lebensmittel klassifiziert sind. Das bedeutet, dass die Hersteller keine umfassenden Tests zur Wirksamkeit und Sicherheit durchführen müssen. Viele Produkte enthalten Nährstoffe in Dosierungen, die für Kinder nicht geeignet sind. Ein Beispiel dafür ist „Orthomol Junior C plus“, das gesundheitsschädliches Kupfer enthält. Überdosierungen von Nährstoffen können ernsthafte gesundheitliche Risiken mit sich bringen.
Doch was ist mit den Nährstoffen, die Kinder tatsächlich benötigen? In Deutschland sind die meisten Kinder im Durchschnitt ausreichend mit Vitaminen und Mineralstoffen versorgt. Empfohlene Zufuhrmengen für Folat, Vitamin D, Eisen, Jod und Calcium werden zwar nicht immer erreicht, das bedeutet jedoch nicht gleich, dass ein Mangel vorliegt. Wenn Kinder spezielle gesundheitliche Bedürfnisse haben oder sich vegan ernähren, kann eine sorgfältige Planung der Nährstoffversorgung sinnvoll sein. Hier ist der Kinderarzt der richtige Ansprechpartner.
Gesunde Ernährung: Der Schlüssel zur Vitalität
Eine abwechslungsreiche Ernährung sollte die Basis für die Gesundheit von Kindern bilden. Vollkornprodukte, frisches Gemüse, Obst, Milchprodukte, Hülsenfrüchte, Nüsse, Fisch und Fleisch – das sind die Bausteine, die das Wachstum und die Entwicklung unterstützen. Wenn Kinder jedoch bestimmte Lebensmittel ablehnen, können kreative Ansätze helfen. Pürierte Suppen oder das Einmischen von Gemüse in andere Speisen sind tolle Möglichkeiten, um die Nährstoffaufnahme zu steigern. Und ja, der Weg zu einer gesunden Ernährung kann manchmal steinig sein – aber es lohnt sich!
Was die Vitamin D-Versorgung betrifft, so kann regelmäßiges Spielen im Freien Wunder wirken. Sonne tanken ist nicht nur für die Stimmung wichtig, sondern auch für die Gesundheit. Für Säuglinge und Kleinkinder gibt es spezielle Empfehlungen – sie sollten Vitamin K zur Prophylaxe erhalten, und Vitamin D wird ab der ersten Lebenswoche empfohlen. Aber auch hier gilt: Bei Unsicherheiten immer den Kinderarzt konsultieren.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass viele Nahrungsergänzungsmittel für Kinder überflüssig oder sogar schädlich sein können. Eine gesunde, ausgewogene Ernährung ist der beste Weg, um sicherzustellen, dass Kinder alle Nährstoffe erhalten, die sie brauchen. Und wer weiß, vielleicht entdecken sie ja doch noch die Freude an frischem Gemüse und Obst! Wer könnte da schon widerstehen?
