Mythos oder Wahrheit? Die Säure-Basen-Debatte entwirrt
Heute, am 21.10.2026, widmen wir uns einem Thema, das in der Welt der Naturheilkunde immer wieder aufpoppt: der Säure-Basen-Haushalt. Viele Menschen glauben, dass eine unausgewogene Ernährung zu einer Übersäuerung des Körpers führen kann. Aber wie viel Wahrheit steckt tatsächlich in diesen Behauptungen? Die Verbraucherzentrale hat in einer Untersuchung im Jahr 2025 festgestellt, dass die Idee einer latenten Azidose als Gesundheitsursache wissenschaftlich nicht belegbar ist. Das klingt erst einmal schockierend, nicht wahr?
Der menschliche Körper ist ein wahres Meisterwerk der Selbstregulation. Gesunde Menschen haben ein ausgeklügeltes System – Nieren und Lunge arbeiten Hand in Hand, um das Säure-Basen-Gleichgewicht zu regulieren. Lebensmittel, die wir konsumieren, beeinflussen zwar den pH-Wert des Urins, aber das Blut bleibt bei einem stabilen pH-Wert, dank cleverer Puffersysteme wie Bikarbonat und Proteine. Wenn wir über Azidose sprechen, meinen wir in der Regel ernsthafte medizinische Zustände, die durch Erkrankungen wie Nierenschwäche oder Diabetes ausgelöst werden können, nicht die vermeintliche Übersäuerung infolge einer Pizza oder einer Portion Pommes.
Der Mythos der Übersäuerung
Der Begriff „Übersäuerung“ ist im alltäglichen Sprachgebrauch weit verbreitet, wird jedoch häufig missverstanden. Medizinische Azidose ist eine behandlungsbedürftige Störung und nicht das gleiche wie die umgangssprachliche Übersäuerung. Hierbei ist es wichtig, dass wir bei anhaltenden Beschwerden einen Arzt oder Therapeuten konsultieren. Wer weiß, vielleicht hat man ja auch nur die falsche Pizza gegessen oder das letzte Stück Torte zu viel genossen!
Ein weiterer Punkt, den wir nicht ignorieren sollten, ist der Markt für Nahrungsergänzungsmittel. Diese Produkte, die oft mit dem Versprechen beworben werden, die „Übersäuerung“ auszugleichen, enthalten meist Citratsalze oder Natron. Hersteller fügen häufig Vitamine und Mineralien hinzu, um ihre Produkte attraktiver zu machen. Doch, und das ist wichtig: Es gibt keine belastbaren Daten, die die Wirksamkeit solcher Produkte belegen. Tatsächlich können sie sogar gesundheitliche Risiken bergen – einige überschreiten die empfohlenen Höchstmengen an Mineralstoffen. Das Bundesinstitut für Risikobewertung warnt vor entsprechenden Gefahren.
Was sagen die Zahlen?
Eine Umfrage aus dem Jahr 2021 in der Westschweiz zeigte, dass 75 % der Befragten komplementäre Methoden nutzen. Bei den vielen verfügbaren Optionen ist es nicht verwunderlich, dass viele auf Nahrungsergänzungsmittel zurückgreifen. Dabei bleibt die Frage, ob diese Produkte tatsächlich einen positiven Einfluss auf unsere Gesundheit haben. Die Wissenschaft hat hier noch einige Lücken zu füllen. Was wir allerdings wissen, ist, dass die basische Ernährung, die den Verzehr von viel Gemüse und Obst fördert, durchaus vorteilhaft ist – aber nicht, weil sie uns vor „Übersäuerung“ schützt.
Es ist auch erwähnenswert, dass pflanzliche Produkte, die für ihre heilenden Eigenschaften gepriesen werden, nicht ohne Risiken sind. Johanniskraut beispielsweise kann die Wirkung von Medikamenten beeinträchtigen, und andere Pflanzen wie Holunder oder Maiglöckchen können sogar gefährlich werden. Die Qualität pflanzlicher Lebensmittel kann je nach Anbau und Verarbeitung stark variieren. Daher ist es immer ratsam, die Finger von Produkten zu lassen, die nicht klar deklariert sind.
Schließlich ist es wichtig, sich daran zu erinnern, dass pflanzliche Zubereitungen lediglich als Ergänzung gedacht sind – nicht als Ersatz für eine ärztliche Therapie. So viel sei gesagt: Die Welt der Naturheilkunde ist spannend und vielschichtig, aber wir sollten mit einem kritischen Auge darauf schauen, was uns angeboten wird. Denn am Ende zählt das eigene Wohlbefinden, und das erreichen wir am besten mit einer ausgewogenen Ernährung und einem gesunden Lebensstil.
