In Deutschland erkranken jährlich mehr als eine halbe Million Menschen an Krebs. Ein bedrückender Fakt, der uns alle betrifft. Wenn man sich mit dem Thema Ernährung und Krebs beschäftigt, stößt man schnell auf eine Vielzahl von Mythen. Besonders oft wird über Zucker diskutiert. Dr. Gesche Brannolte-Raab, eine erfahrene Onkologin, hat sich intensiv mit diesen Mythen auseinandergesetzt und räumt auf mit den gängigen Vorurteilen.

Die Ernährung hat tatsächlich einen Einfluss auf das Krebsrisiko, insbesondere bei Darmkrebs und Übergewicht. Dabei spielen Faktoren wie der Zuckerstoffwechsel, Insulinresistenz und Diabetes eine Rolle. Dr. Brannolte-Raab betont, dass viele Fehler in der Ernährung überbewertet werden. Es geht nicht um extreme Diäten, sondern um grundlegende Dinge wie Vielfalt, weniger verarbeitete Lebensmittel und einen maßvollen Umgang mit Alkohol.

Die mediterrane Ernährung als Schlüssel

Einen besonders positiven Einfluss auf das Krebsrisiko scheint die mediterrane Ernährung zu haben. Eine umfassende Studie, die mehr als 8 Millionen Menschen einbezog, zeigt, dass eine strengere Einhaltung dieser Ernährungsweise mit einem geringeren Risiko für verschiedene Krebsarten assoziiert ist. Dazu gehören unter anderem Kopf-Hals-Tumore, Magen- und Darmkrebs sowie Brustkrebs. Die Resultate sind beeindruckend: Bei einer strengen mediterranen Diät lag das Risiko für Darmkrebs bei einer Risk Ratio von 0,95 – also nahezu 5 % weniger Risiko!

Dr. Brannolte-Raab empfiehlt während der Krebstherapie, sich ausgewogen zu ernähren, auch wenn das oft eine Herausforderung darstellt. Hierzu können vorbereitete Mahlzeiten, kalte Speisen bei Übelkeit und die mediterrane Küche beitragen. Krebspatienten müssen nicht gänzlich auf Zucker verzichten, aber der Verzehr von verarbeiteten zuckerhaltigen Lebensmitteln sollte reduziert werden. Was viele nicht wissen: Es gibt keine spezielle Anti-Krebs-Diät, aber die mediterrane Ernährung hat die beste Evidenz.

Die Rolle der Bewegung und weiterer Nährstoffe

Ein anderer wichtiger Aspekt, den Dr. Brannolte-Raab hervorhebt, ist die Bewegung. Sie ist entscheidend, sowohl zur Prävention als auch während der Therapie. Übergewicht und Bewegungsmangel sind erhebliche Risikofaktoren für Krebs. Schätzungen zufolge sind ungesunde Essgewohnheiten bei etwa 8 von 100 neuen Krebsdiagnosen in Deutschland ausschlaggebend, während 7 von 100 neuen Krebserkrankungen mit Übergewicht verbunden sind.

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Die Empfehlungen für eine gesunde Ernährung sind simpel, aber oft schwer umzusetzen: Vollkornprodukte, Hülsenfrüchte, frisches Gemüse und Obst sollten der Hauptbestandteil der täglichen Kost sein. Dabei sollte man Zucker und Fett im Zaum halten und stark verarbeitetes Fleisch meiden. Es ist auch wichtig, auf eine ausreichende Ballaststoffaufnahme zu achten, mit mindestens 30 Gramm pro Tag. Nahrungsergänzungsmittel ersetzen keine gesunde Ernährung und können sogar das Krebsrisiko erhöhen.

Insgesamt ist es klar, dass eine ausgewogene Ernährung, die die mediterrane Kost als Vorbild nimmt, einen wichtigen Beitrag zur Krebsprävention leisten kann. Wer sich gesund ernährt, hat nicht nur bessere Chancen auf eine Prävention, sondern auch auf eine unterstützende Therapie. Jeder Bissen zählt, und es ist nie zu spät, um umzudenken und seinen Lebensstil zu ändern.