Akupunktur zwischen Heilkunst und Gefahr: Eine kritische Betrachtung
Akupunktur – eine alte Heilmethode, die viele von uns als sanfte und effektive Therapieform schätzen. Aber es gibt auch dunkle Schatten, die über dieser jahrtausendealten Praxis liegen. Am 25. Oktober 2026 wurde in Südkorea ein 68-jähriger Mediziner wegen fahrlässiger Tötung verurteilt. Der Grund? Eine missratene Akupunkturbehandlung an einem 92-jährigen Patienten, bei der eine Nadel zu tief eindrang und einen Myokardriss im Perikard verursachte. Tragisch, nicht wahr?
Der Patient klagte über akute Brustschmerzen und Atemnot, doch leider blieb er 15 Minuten unbeaufsichtigt, bevor er nach einer Notfallüberweisung verstarb. Es stellt sich die Frage: Wo bleibt die Sorgfaltspflicht? Der Mediziner hatte nicht einmal den Puls des Patienten überprüft oder eine Risikoaufklärung vorgenommen. Das Gericht verhängte eine Geldstrafe von 20 Millionen Won, etwa 15.000 US-Dollar, wobei das Geständnis und die Reue des Arztes mildernd berücksichtigt wurden.
Risiken und Nebenwirkungen
Doch nicht nur in diesem speziellen Fall können schwerwiegende Folgen auftreten. Invasive Nadelungen bergen immer das Risiko von Infektionen. Ein Beispiel aus der Praxis: Eine Patientin entwickelte nach einer Akupunktursitzung eine partielle Lähmung, verursacht durch einen Abszess im Bereich der Halswirbelsäule. In der Fachliteratur sind 22 Fälle von spinalen Epiduralabszessen nach Akupunkturen dokumentiert worden. Da fragt man sich, ob die Vorteile der Akupunktur wirklich die Risiken aufwiegen.
Die Blutspende SRK Schweiz hat beispielsweise eine Wartefrist von vier Monaten nach Nadelbehandlungen eingeführt, um mögliche Infektionen auszuschließen. Und wenn wir über Risiken sprechen, ist es wichtig zu wissen, dass die Weltgesundheitsorganisation (WHO) spezifische Anwendungsgebiete für Akupunktur listet, aber auch vor der Anwendung bei bestimmten Personengruppen warnt. Dazu gehören Personen unter gerinnungshemmender Medikation, Schwangere und Menschen mit bestehenden Infektionen. Das sollte man im Hinterkopf behalten, wenn man überlegt, ob man sich auf die Liege legen und sich pieksen lässt.
Akupunktur im Kontext
Akupunktur ist also nicht nur eine spannende Heilmethode aus der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM) mit über 2000 Jahren Geschichte. Sie basiert auf der Annahme einer Lebensenergie, dem „Qi“, das durch den Körper fließt und auf Meridianen verläuft. Blockaden oder Ungleichgewichte im Fluss des Qi können zu Gesundheitsproblemen führen. Akupunktur zielt darauf ab, diese Blockaden zu lösen und das Gleichgewicht wiederherzustellen. Schmerzlinderung, Stressmanagement und die Behandlung chronischer Erkrankungen wie Arthritis und Migräne sind nur einige der Anwendungsgebiete.
In den letzten Jahrzehnten hat Akupunktur auch im Westen an Popularität gewonnen. In den 1970er Jahren wurde sie durch journalistische Berichte ins Rampenlicht gerückt. Heute ist sie eine weit akzeptierte Technik der Komplementär- und Alternativmedizin. Millionen Menschen lassen sich täglich akupunktieren – ganz gleich, ob zur Linderung von Schmerzen, zur Bekämpfung von Stress oder zur Unterstützung der Fruchtbarkeit.
Allerdings bleibt die Frage nach der Wirksamkeit. Klinische Studien zeigen gemischte Ergebnisse, und die Wirksamkeit der Akupunktur im Vergleich zu Scheinakupunktur ist schwer zu ermitteln. Einige Patienten berichten von positiven Erfahrungen, während andere eher skeptisch sind. Die Diskussion darüber, ob Akupunktur wirklich hilft oder ob es sich um einen Placebo-Effekt handelt, wird weiterhin geführt. Das ist ein spannendes Feld, in dem noch viel geforscht werden muss.
